Startups in Deutschland – Hessen weit abgeschlagen

Dr.Kay-Michael Schanz
Dr.Kay-Michael Schanz

Unter dem Titel „Für junge Firmen sind nur zwei Städte cool genug“ beschäftigt sich Die Welt in ihrer heutigen Ausgabe mit der Attraktivität von Städten für junge Unternehmen und deren Gründer. Basis ist eine Studie von Ernst & Young, nach der London und Berlin in Europa führend sind – gemessen an den Finanzmitteln, die in die dortigen Startups investiert wurden.

Dabei liegt Berlin nicht nur hinsichtlich der – in dem Artikel genannten, allerdings erklärungsbedürftigen – Zahl der der Finanzierungstransaktionen im Technologiebereich weit vor allen anderen deutschen Bundesländern/Städten, sondern insbesondere hinsichtlich der investierten Summen. Dies ist nicht zuletzt auf die in Berlin besonders häufig anzutreffenden internetbasierten Geschäftsmodelle zurückzuführen, die gerade für ihr Marketing einen besonders hohen Kapitalbedarf haben.

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Aus dem Blickwinkel der anderen deutschen Bundesländer ist das Ergebnis dieser Studie schlichtweg kläglich. Weit abgeschlagen hinter dem zweitplatzierten Berlin sind München und Hamburg als einzige deutsche Städte verzeichnet. Andere Städte wie Frankfurt tauchen in der Statistik nicht einmal auf. In einem bundesweiten Vergleich der Bundesländer rangiert Hessen gerade einmal über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Dies wirft Fragen auf.

Dabei ist klar, dass hier nicht allein der Ruf nach der Politik und dem Gesetzgeber zu einer Verbesserung der Situation führen kann. Auch Berlin verdankt seine Popularität unter IT-Gründern nicht – wie man vermuten könnte – einer besonders klugen Standort- oder Ansiedelungspolitik. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für solche Unternehmen sind nicht unbedingt besser als anderswo in Deutschland oder Europa. Entscheidend scheint vielmehr die Attraktivität der Stadt als Lebensmittelpunkt zu sein, die viele kreative Talente anzieht. Auch sind die Lebenshaltungskosten im bundesweiten Vergleich günstig (wohingegen London extrem teuer ist).

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Erste Ansatzpunkte für Verbesserungen sind mittlerweile auch in Hessen sichtbar. Hierzu gehören neben öffentlich-rechtlichen oder zumindest so geprägten Initiativen wie HIGHEST an der TU Darmstadt eine wachsende Zahl privater Initiativen. Positiv zu beurteilen ist auch die wachsende Zahl von FinTech-Startups am Finanzplatz Frankfurt, die zunehmend auch in die Aufmerksamkeit der etablierten Spieler gerät.

Ungeachtet dessen sind alle Stakeholder aufgerufen, über ihre Möglichkeiten nachzudenken, um zu einer Verbesserung der Situation in Hessen beizutragen. Die skizzierten Entwicklungen bieten Chancen, deren volkswirtschaftliche Bedeutung auf Landes – wie Bundesebene nicht überbetont werden kann. So kommt auch der Autor des Artikels aus Die Welt unter Bezugnahme auf das Zitat des vormaligen Bürgermeisters Klaus Wowereit, die Stadt sei „arm, aber sexy“ zu der Schlussfolgerung, dass Berlin – bis vor kurzem wirtschaftlich eher als hoffnungsloser Fall angesehen – über kurz oder lang deutlich weniger arm sein könnte – und zwar genau wegen des zweiten Attributs, das der ehemalige Regierende Bürgermeister der Stadt zuschrieb. Wo ist nun bitte der Sexappeal von Hessen ?

Dr. Kay-Michael Schanz, LightFin GmbH

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